Montag, 29. August 2016

Rezension: Die Stunde der Lilie von Sandra Regnier

Titel: Die Stunde der Lilie
Autorin: Sandra Regnier
Seitenanzahl: 362 Seiten
Genre: Jugendbuch ab 14/Zeitreise
Reihe: Teil 1 von 2
Preis: 3,99 EUR
ISBN: 978-3-646-60073-5
Verlag: Impress
Erschienen am 07.08.2014
www.carlsen.de 

Klappentext:

Es sollte ein gewöhnlicher Ausritt nach einem anstrengenden Schultag werden. Niemals hätte sich die sechzehnjährige Julia träumen lassen, dass es sie an der mit Lilien gesäumten Weggabelung aus dem Deutschland der Gegenwart ins Frankreich des 17. Jahrhunderts verschlagen würde. Und das ohne eine Möglichkeit der Rückkehr. Von einem Tag auf den anderen muss sich Julia den Sitten des Versailler Königshofes anpassen und zu allem Übel auch noch Französisch lernen. Glücklicherweise bekommt sie jedoch einen einflussreichen Vormund an die Seite gestellt: Etienne Flémont, den Grafen von Montsauvan. Ein Mann, der ihr Schicksal noch weitreich beeinflussen soll… 

Meine Meinung:

Im Nachhinein muss ich sagen, dass das Buch eigentlich ziemlich genial ist. Zwar hat mir nicht alles gefallen, aber ich habe tagelang über die Geschichte nachgedacht und recherchiert. Was kann man sich als Autor anderes wünschen, als das sein Buch den Leser beschäftigt?

Ehrlich gesagt, hätte ich das Buch am Anfang am liebsten abgebrochen. Die ersten 35% waren so langweilig, dass ich ehrlich an den guten Meinungen zum Buch gezweifelt habe. 

Die Geschichte wird im Erzählstil geschildert. Es geht um die 16-jähirge Julia, die aus der Gegenwart ins Jahr 1676 katapultiert wird. Aus dem deutschen Wald direkt nach Frankreich aufs Gelände von Versailles. Dort trifft sie gleich auf den Sonnenkönig, der allein im Wald herumreitet und sie sofort unter seine Fittiche nimmt. Das nenne ich mal einen großen Zufall!
So schnell sich die Ereignisse am Anfang auch überschlagen, so langweilig wurden sie dann im ersten Drittel.
Julia wird Etienne Flémont, dem Grafen von Montsauvan zugeteilt. Der junge Mann wird ihr Lehrer und Vertrauter. Er bringt ihr alles lebenswichtige bei, um am Hof von Versailles zu überleben.
Die Beziehung zu Etienne ist interessant, denn man wird nicht schlau daraus, ob es zwischen den beiden eine Liebesgeschichte gibt oder nicht.

Leider hat der distanzierte Schreibstil nicht dazu beigetragen, dass ich Julia wirklich mochte. Sie ist mir bis zum Ende fremd geblieben und ich konnte ihre Reaktionen nur selten verstehen oder nachvollziehen. Sie kam mir immer sehr arrogant und stur vor. Ist sie zu Beginn noch eine Person mit Ecken und Kanten, so wird sie doch schnell zum Überflieger. Alles was Etienne ihr beibringt, beherrscht sie perfekt. Alle am Hof lieben sie total und suchen ihre Gesellschaft. Es gibt so gar keine wirklichen Schwierigkeiten. Ich meine, wer ist julia schon? Eben noch das normale Mädchen aus der Eifel und dann plötzlich die Starsängerin am Versailler Hof mit einem perfekten Französisch? Eine Sprache, die sie vorher nur schlecht beherrscht hat?   
Außerdem kommt sie doch aus der Gegenwart. Müsste sie da nicht mal in der Vergangenheit  in ein Fettnäpfchen treten oder sich verraten? Nope! Durch ihren Geschichtslehrer wurde sie schließlich total gut auf die Zeit im siebzehnten Jahrhundert in Frankreich vorbereitet und kennt sich daher perfekt aus. Wer es glaubt, dass die Schulbildung so umfangreich ist, na gut.

Was Julia schon weiß, lernen wir (neu) kennen. Man wird durchgängig mit geschichtlichen Fakten und Personen aus der Zeit überhäuft. Das war einerseits echt toll, aber anderseits einfach zu viel. Manchmal fiel es mir nicht leicht, bei den vielen Madames und Monsieurs den Überblick zu behalten, denn viele spielten keine echte Rolle im Buch, sondern dienten nur zum Klatsch und Tratsch am Hofe. Da hätte es nicht geschadet, sich auf die wesentlichen Personen zu beschränken, das wären immer noch genug gewesen.

Zwischen den Kapiteln gab es immer wieder Briefe einer Madame de Sévigné , die ihrer Tochter geschrieben hat und vom Leben am Hof berichtete. Diese Dame hat es wirklich gegeben und wahrscheinlich sollten die Briefe zur Erheiterung beitragen, aber mir haben sie ehrlich gesagt nichts gebracht.

Der Schreibstil ist der damaligen Art zu Reden nachempfunden. Das hat mir gut gefallen, allerdings ist die Autorin alle paar Seiten (gewollt oder ungewollt) aus der Rolle gefallen. Worte wie bescheuert oder Tunte waren da einfach unpassend. 
Als ich mich an den Stil gewöhnt hatte, wurde die Geschichte immer besser. Ich konnte es zuerst gar nicht glauben. Plötzlich hatte ich mich eingelesen und geriet in einen richtigen Leserausch. Zwar mochte ich Julia immer noch nicht so gerne, aber ich wollte doch wissen, wie es mit ihr weitergeht.

Der Plot ist ansonsten ziemlich dünn. Wie gesagt, dazu geht es in meinen Augen für Julia alles zu glatt. Aber es ist trotzdem spannend, da man auch nicht so richtig weiß, wie es jetzt weitergeht, was passiert und ob Julia wieder nach Hause findet. Ich konnte nämlich auch nicht verstehen, warum sie nicht öfter versucht hat, nach Hause zu kommen. Sie nimmt einfach alles so stoisch hin ohne die Dinge zu hinterfragen oder zu verzweifeln. Ich an ihrer Stelle wäre bestimmt ausgeflippt und nicht so ruhig geblieben.

Ja man merkt, dass ich das Buch zu Anfang wirklich nicht mochte und kurz davor war einen Stern zu vergeben. Doch es hat mich dann noch eingefangen und in den Bann gezogen. Besonders Etienne hat es mir angetan. Ich finde ihn sehr charismatisch und geheimnisvoll. Er ist ein echter Gentlemen und das war mal eine schöne Abwechslung zu den anderen Büchern, die ich sonst so lese.

Wer also gerne Geschichten aus der Zeit von Ludwig XIV liest, der sollte sich das Buch mal näher anschauen. Es ist definitiv anders als andere Jugendbücher und verzichtet auf die übliche Klischees oder Standardliebesgeschichte. Deshalb hat es in meinen Augen noch Punkte gutgemacht und ich werde auch das Folgeband lesen.

Fazit:

Dieses Buch hat mich innerlich zerissen. Einerseits haben mir ganz viele Dinge nicht gefallen. Anderseits konnte ich auch nicht aufhören zu lesen. Die Hauptfigur blieb mir durch den Schreibstil sehr fremd, aber das Setting (Frankreich im Siebzehnten Jahrhundert) war einfach klasse. Die Geschichte verzichtet auf übliche Klischees und die Standardliebesgeschichte. Das war erfrischend. Bildet Euch am besten selbst eine Meinung. Wer historische Bücher mit geschichtlichem Hintergrund und Jugendbücher mag, kann hier nichts falsch machen. Zu viel Story sollte man allerdings auch nicht erwarten. Von mir gibt es dafür drei neutrale Sterne.


Reihe:

  1. Die Stunde der Lilie
  2. Die Nacht der Lilie

Autorin:

Sandra Regnier ist in der Vulkaneifel geboren und aufgewachsen. Nach der Schule und einer Ausbildung zur Beamtin wollte sie lange nach Frankreich. Stattdessen heiratete sie einen Mann mit französischem Nachnamen und blieb zu Hause. Heute ist Sandra Regnier selbstständig und versteht es, den schönen Dingen des Lebens den richtigen Rahmen zu geben. Das umfasst sowohl alles, was man an die Wand hängen kann, als auch die Geschichten, die ihrer Fantasie entspringen.

Mehr Informationen findet man unter www.sandra-regnier.com
(Quelle: amazon)

 

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