Freitag, 3. Juni 2016

Rezension: Mein Leben als Pinguin von Katarina Mazetti

Titel: Mein Leben als Pinguin
Autorin: Katarina Mazetti
Originaltitel: Mitt liv som pingvin
Seitenanzahl: 304 Seiten
Genre: Roman
Reihe: Nein
Preis: 8,99 EUR
Verlag: List Taschenbuch
Erschienen am 15.07.2011 
www.ullsteinbuchverlage.de 

Klappentext:

Wilma, Lehrerin und tapfere Optimistin mit Unterbiss, und Tomas, gutaussehender, aber eher trauriger Journalist, reisen an Bord der MS Orlowskij in die Antarktis. Zwischen Albatrossen, orangefarbenen Schwimmwesten und dem Kapitänsdinner erfüllt sich für Wilma endlich ein großer Traum, nachdem so viele nicht in Erfüllung gingen. Denn Touristen im ewigen Eis sind wie Pinguine - sie finden zueinander. 

Meine Meinung:

Keine Ahnung wie ich mal auf die Idee gekommen bin, dieses Buch auszuleihen. Das Cover passt so gar nicht zum Titel, aber der Klappentext klang interessant.

Nach einigen Seiten zeigt sich bereits das Besonderes an diesem Buch. Es gibt drei Hauptpersonen, die jeweils aus der Ich-Perspektive von ihrer Reise auf dem Schiff durch die Antarktis berichten.
Da wäre Wilma, Anfang dreißig, tollpatschig und liebenswürdig, immer gut gelaunt. Und Tomas, versunken in Selbstmitleid, der in Schweden alle Zelte hinter sich abgebrochen hat.
Außerdem Alba, eine ältere Dame, die alle anderen Reisegäste ständig mit Tieren vergleicht und nach ihrem Tod selbst gerne ein Albatros wäre.
Nach Aussage der Autorin könnte man sich eine Person aussuchen und nur ihre Reiseberichte lesen, dann würde man das Buch trotzdem verstehen. Das bedeutet, dass alle Charaktere mehr oder weniger auf jede Szene eingehen. Das klingt vielleicht überfrachtet, ist es aber nicht. Jede Person hat zu derselben Sache eine andere Meinung und das ist interessant gemacht.
Außerdem gibt es einzelne Kapitel zu den anderen Passagieren, die mich jedoch nicht so überzeugen konnten. Es reicht um die Hintergründe der Personen etwas zu erklären, aber fungiert doch eher Lückenfüller.

Wilma, Tomas und Alba haben alle ihre Päckchen zu tragen. Alle haben ein Geheimnis bzw. etwas aus ihrer Vergangenheit was sie vergessen oder verarbeiten möchten. Als Leser erfährt man nach und nach das ganze Ausmaß der Geschichte.
In meinen Augen hat es Wilma am härtesten getroffen und doch ist sie die größte Optimistin die herumläuft. Es ist fast schon tragisch, wie doll sie versucht, aus allem das Beste zu machen und ich kann überhaupt nicht verstehen, warum sie sich gerade an den öden Tomas hängt, der alle anderen für sein verkorkstes Leben verantwortlich macht.
Doch irgendwie macht jede Person für sich aus dieser Geschichte etwas besonderes und am Ende ergänzt sich fast alles.

Was mich aber am meisten beeindruckt hat, waren die Tier- und Landschaftsbeschreibungen der Antarktis. Es war alles so detailreich beschrieben, dass man die vielen Vögel, Meerestiere und Pinguine selbst vor seinem inneren Augen sehen konnte. Als wäre man selbst an Bord des Schiffes und bei den Ausflügen dabei. Alba hat die Ornithologen auch immer etwas auf die Schippe genommen, was eine witzige Anekdote war.

Der Schreibstil ist etwas ganz besonders. Er ist so leicht und stimmig und trotz der ganzen Tragik auch immer leicht humorvoll. Die Sätze sagen so viel aus, dass es fast philosophisch wirkt und auch wieder nicht. Durch die besondere Erzählart, die eben eher an eine Aneinanderreihung von Reiseberichten erinnert, geht vielleicht etwas der Schwung verloren, da es kein wirkliches vorankommen gibt. Immer wenn ein Kapitel vorbei ist, startet der nächste Erzähler und so liest man bereits erlebtes evtl. nochmal aus einer anderen Perspektive. Da muss man sich öfter gedulden.

Die Charaktere sind alles andere als normal und trotzdem kann man sich mit ihnen identifizieren. Durch ihre Probleme wachsen sie einem ans Herz und man möchte wissen wie es weitergeht.
Wilma, die alles andere als hübsch ist und mit ihrer Krankheit klar kommen muss. Tomas, der als Ehemann und Vater versagt hat, aber durch Wilma neuen Lebensmut fasst. Und Alba, die durch die Auflebung ihrer Romanze mit dem Schiffsarzt, doch noch einmal jemanden näher an sich heranlässt.

Das Ende hat mir zwar persönlich nicht so zugesagt, aber trotzdem hat mir das Buch echt super gefallen.
 

Fazit:

Ein besonderes Buch über drei unterschiedliche Menschen, die eine Reise durch die Antarktis machen. Durch ihre Reiseberichte dürfen wir an ihren Leben teilnehmen und geraten dabei selbst auf das Schiff und können uns an den tollen Landschafts- und Tierbeschreibungen erfreuen. Ein Buch das sicher nicht jedem gefallen wird, aber mir hat es tolle Lesestunden verschafft. Es gibt daher vier echt tolle Sterne. 



13184643Autorin:

Katarina Mazetti, geboren 1944 in Stockholm, war bis 1989 als Schwedisch- und Englischlehrerin im nordschwedischen Umeå tätig. Heute lebt sie in Lund und arbeitet als Journalistin bei Sveriges Radio. Mazetti schreibt für Erwachsene und Jugendliche. (Quelle: Amazon)

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