Dienstag, 24. Januar 2017

Rezension: 43 Gründe warum es AUS ist von Daniel Handler

Titel: 43 Gründe warum es AUS ist
Autor: Daniel Handler
Orginaltitel: Why We Broke Up
Seitenanzahl: 368 Seiten
Genre: Jugendbuch ab 14
Reihe: Nein
Preis: ab 7,99 EUR (eBook)
ISBN: 978-3446243132
Verlag: Carl Hanser Verlag
Erschienen am 29.07.2013 
www.hanser-literaturverlage.de 

Klappentext:

Ed ist der Star der Basketballmannschaft, Min eine sensible, künstlerisch angehauchte Filmnärrin, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Als sich beide auf einer Party begegnen, funkt es gewaltig. Doch beim näheren Kennenlernen zeigt sich, wie grundverschieden sie sind. Ihre Beziehung wird kurz, aber heftig – voller Überraschungen und Entdeckungen, voll Bemühen und Enttäuschung. Als es aus ist, schreibt Min einen glühenden, virtuosen Brief und gibt Ed all die Dinge zurück, die in ihrer Beziehung eine Rolle gespielt haben. Dieses einfühlsame Jugendbuch erzählt vom Erwachsenwerden, von Liebe und Trennung – anhand von 43 illustrierten Objekten, die am Ende zurückbleiben.

Meine Meinung:

Ich habe das Buch (leider) als Ebook gelesen. Leider, weil es wunderschöne Zeichnungen enthält (von den 43 Gegenständen, die an den Ex zurückgegeben werden). Auf dem E-Reader sind die Illustrationen zu meinem Leidwesen ziemlich untergegangen. In Papierform stelle ich mir die Darstellung viel schöner vor.

Der Erzählstil des Buches ist ein langer Abschiedsbrief. Geschrieben von Min - kurz für Minerva. Sie war eine kurze Zeit mit dem Co-Captain der Basketballmannschaft zusammen - Ed Slaterton
Die Beziehung war kurz und intensiv. Als es vorbei ist, nimmt Min ihren Karton mit den gesammelten Erinnerungsstücken und möchte sie Ed an die Haustür schmeißen. Vorher schreibt sie noch diesen Brief um ihm zu erklären, warum es AUS ist.

Als Leser ist man quasi Ed. Man bekommt einen Einblick in Mins Gedanken, erlebt ihre Sicht der Dinge und arbeitet die Geschichte chronologisch auf. Sie hangelt sich dabei an den 43 Gegenständen entlang. Der Karton enthält z.B. zwei Flaschendeckel, ein Filmticket, eine Schachtel mit Streichhölzern, eine Lochkamera, eine gefaltete Notiz, ein Gummiband, einen High School Wimpel, einen Spielzeug-LKW, ein Kochbuch, einen Winkelmesser, eine Feile, eine Konzertkarte, ein Polaroid, einen Kamm aus einem Motelzimmer, ein Paar Hässliche Ohrringe, und viele weitere Dinge, die alle etwas mit der Beziehung zu tun haben. Der entsprechende Gegenstand ist vor dem jeweiligen Kapitel illustriert, so dass man sich sofort fragt, was z.B. das Geschirrtuch für eine Rolle spielt.

Ich finde die Grundidee der Geschichte total genial. Auch wenn ich natürlich Happy Ends mag und man hier weiß, dass es keines im eigentlichen Sinne geben wird. Der Weg ist das Ziel.
Die Idee mit dem Karton ist klasse. Ich denke jedes Mädchen, dass verliebt ist, sammelt doch das ein oder andere Beziehungsding in einer Kiste oder in einem Tagebuch. Und am Ende der Beziehung versteckt man dann alles oder vernichtet es hasserfüllt.

Min und Ed sind zwei komplett verschiedene Charaktere. Min ist einfach anders (und das wird ziemlich oft hervorgehoben). Sie steht auf alte Schwarz-Weiß-Filme, die in der Geschichte kein Mensch kennt (und außerhalb auch nicht, weil die Filme fiktiv sind). Sie möchte Regisseurin werden und stellt daher ständig Vergleiche zwischen Geschehnissen im echten Leben und den alten Filmen an. Das erfordert als Leser Durchhaltevermögen, da sie sehr oft sinniert und ausschweift.

Ed ist auf den ersten Blick das typische Klischee eines beliebten High Schooljungen. Er hat viele Exfreundinnen und meint es mit keinem Mädchen wirklich ernst. Basketball steht an erster Stelle. Trotzdem konnte ich mich während der Beziehung auch mit ihm anfreunden, denn er hat mich mit vielen Dingen überrascht.

Die Handlung ist interessant aufgebaut. In Rückblenden erleben wir das Kennenlernen und Verlieben von Ed und Min. Er ist von ihrer Andersartigkeit fasziniert und sie ist wohl zuerst von seiner Aufmerksamkeit geschmeichelt. Sie wissen das sie beide komplett verschiedene Interessen haben, geben sich aber Mühe, den anderen in ihre Welt mit einzubeziehen. 
Min hasst Basketball und langweilt sich bei den Spielen, trotzdem begleitet sie Ed. Umgekehrt geht er mit ihr ins Kino und schaut sich die alten Filme an. Als Leser weiß man ja, dass es nicht gut enden wird, und sieht daher wie bei einem tragischen Unfall zu, wie sich alles entwickelt und wartet auf den Knall.

Da ich mich vorher nicht mit dem Buch beschäftigt hatte, war für mich das Ende der Beziehung genauso wenig vorhersehbar, wie für Min. Automatisch habe ich nach Anzeichen gesucht, wann ich es hätte merken müssen und habe nichts gefunden. Das hat mich wirklich fertig gemacht.

Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, aber mich konnte er komplett begeistern. Es ist sehr oft theatralisch und emotional, aber immer ehrlich. 
Daniel Handler hat eine geniale Art mit langen Aufzählungen zu arbeiten und das mag ich. Außerdem mochte ich das "Du" als Anrede. Das machte alles ziemlich außergewöhnlich und mal zu etwas anderem.

Mir gefällt, dass die Probleme einer ersten Liebe so locker in die Geschichte eingebaut wurden. (Wie bringe ich Liebe und Freundschaften unter einen Hut? Wie gehe ich mit meinen Familienproblemen um? Was darf der Freund von mir erfahren? Wie gehe ich mit Ex-Partnern um? Wie doll muss/ sollte ich mich für den Anderen verbiegen, um mir noch treu zu bleiben? Wann ist der richtige Zeitpunkt für das erste Mal? usw.)

Min schafft es gut ihre Gefühle zu verdeutlichen. Ich habe mich mit ihr verliebt und mit ihr getrauert. Ja, sie ist auf ihre Art etwas anstrengend und stellenweise echt naiv, aber das hat sie so interessant gemacht. Außerdem zieht sie in dem Brief ein eigenes Fazit und stellt oft fest, was sie damals falsch gemacht hat und gerne geändert hätte. Auch in Bezug auf ihren besten Freund Al ("Ich habe dazu keine Meinung!").

Einerseits wirkt die Geschichte ziemlich ausgedacht, andererseits ist schon wieder so schräg, dass sie wirklich jedem hätte passieren können

Das Buch wird sicher nicht jedem gefallen, aber wer sich darauf einlässt, kann eine einmalig gute Geschichte lesen. Ich werde sie jedenfalls nicht so schnell vergessen. Was möchte man mehr?
 

Fazit:

In meinen Augen ist das Buch wirklich etwas besonderes. Ein echtes Schmuckstück (äußerlich, wie inhaltlich). Trotz bekanntem Ende bleibt man neugierig dabei und verfolgt den Weg. Der theatralische und emotionale Schreibstil hat mich mitgerissen. Die Charaktere berühren, weil sie so doll nerven, wie sie liebenswürdig sind. Mit 43 Gegenständen wird die Beziehung aufgearbeitet und somit weiß man am Ende, warum es AUS ist. Warum nur vier Sterne? Die fiktiven Filmvergleiche waren dann doch manchmal zu viel. 
Aber egal, lest das Buch trotzdem. Wer sich darauf einlässt, kann eine einmalig gute Geschichte erleben!
 

Autor:

10798418Daniel Handler, 1970 in San Francisco geboren, ist ein erfolgreicher US-Schriftsteller und Drehbuchautor mit deutschen Wurzeln. Darüber hinaus ist er Musiker und war u. a. Mitglied der New Yorker Band Magnetic Fields. Unter dem Pseudonym Lemony Snicket veröffentlichte Handler 1999 A Series of Unfortunate Events (dt.: Eine Reihe betrüblicher Ereignisse), eine 13-bändige Kinderbuchreihe über drei Waisenkinder, die von ihren Verwandten um ihre Erbschaft gebracht werden sollen. Die Serie verkaufte sich weltweit 65 Millionen Mal und wurde mit Jim Carrey, Jude Law und Meryl Streep als Darsteller verfilmt. In den USA sind außerdem die Romane The Basic Eight (1998) und Watch your Mouth (2000) erschienen, sowie die Kurzgeschichtensammlung Adverbs (2006). Für seinen ersten Jugendroman 43 Gründe, warum es AUS ist wurde Handler 2012 mit dem Michael L. Printz Honor Award ausgezeichnet. Das von Maira Kalman illustrierte Buch erschien 2013 bei Hanser. (Quelle: Verlag)

 

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