Freitag, 23. Dezember 2016

Rezension: Nur drei Worte von Becky Albertalli

Titel: Nur drei Worte
Autorin: Becky Albertalli
Originaltitel: Simon vs. the Homo Sapiens Agenda
Seitenanzahl: 320 Seiten
Genre: Jugendbuch ab 14
Reihe: Nein
Preis: 16,99 EUR
ISBN: 978-3-551-55609-7
Verlag: Carlsen Verlag
Erschienen am 26.02.2016
www.carlsen.de 

Klappentext:

Was Simon über Blue weiß: Er ist witzig, sehr weise, aber auch ein bisschen schüchtern. Und ganz schön verwirrend. Was Simon nicht über Blue weiß: WER er ist. Die beiden gehen auf dieselbe Schule und schon seit Monaten tauschen sie E-Mails aus, in denen sie sich die intimsten Dinge gestehen. Simon spürt, dass er sich langsam, aber sicher in Blue verliebt, doch der ist noch nicht bereit, sich mit Simon zu treffen. Dann fällt eine der E-Mails in falsche Hände – und plötzlich steht Simons Leben Kopf.

Meine Meinung:

Das Buch stand eigentlich seit dem Erscheinungstag auf meiner Wunschliste und das zu Recht.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Simon geschildert. Er schreibt sich E-Mails mit Blue und weiß nur, dass der Junge ebenfalls auf seine Schule geht. Alles andere ist anonym. Die beiden Jungs tauschen Alltäglichkeiten aus und nähern sich immer wieder dem Thema Liebe und "Coming-Out". Von der Anonymität geschützt, können sie sich alles anvertrauen und das ist wirklich süß. 
Irgendwann möchte Simon mehr über Blue erfahren. Er ist sich sicher, dass Blue der richtige Freund für ihn wäre und möchte ihn persönlich kennenlernen. Doch soweit ist Blue noch lange nicht. 
Dann gerät Simon in eine verzwickte Lage und sein Geheimnis mit Blue droht aufzufliegen.

Gleichzeitig wird viel über Simons Clique berichtet. Dort bahnt sich eine Dreiecksgeschichte an, die alle Charaktere ganz schön erschüttert und die Freundschaften auf eine harte Probe stellt. Die einzelnen Personen haben mir gut gefallen und waren interessant. Die Konflikte waren für mich nachvollziehbar, denn irgendwann ist diese Sache wohl jedem schonmal passiert.

Simon mochte ich von Anfang an. Er hat eine tolle Familie und echte Freunde und trotzdem hat er noch niemanden gesagt, dass er schwul ist. Das zeigt wie schwer das Thema in der Gesellschaft immer noch ist. Durch einen Zufall gerät Simons "Geheimnis" ans Tageslicht und doch denkt er dabei kaum an sich, sondern nur an Blue. Das hat ihn für mich zu einem echten Helden gemacht. Denn seiner Meinung nach, sollte schwul "keine große Sache" sein. Und so versucht er sich zu verhalten. Das geschieht natürlich nicht ohne Fehler oder Probleme.

"Keine große Sache" ist damit auch die Botschaft des Buches. Das "Schwul sein" ist eben wirklich nur ein Beiwerk. Es wird gar nicht groß thematisiert und das ist genial. Denn es geht eben um die Liebe und dabei ist es egal, wen oder was man liebt. Simons Gefühle stehen im Vordergrund und er liebt eben einen Jungen. Punkt. Ende. Aus. Keine große Sache eben.

Keine Ahnung, ob die Jugendlichen im Endeffekt an einer Highschool so "ruhig" mit Homosexualität umgehen, oder ob es nicht eher ein Spießrutenlauf für die Betroffenen ist, aber ich denke, die Autorin möchte mit dem Buch auf dieses sensible Thema aufmerksam machen, ohne es als etwas "Besonderes" darzustellen. Und daher ist die Story am Ende auch gar nicht so spektakulär. Erst war ich über die Auflösung von "Blue" etwas enttäuscht, denn mir war eigentlich von Anfang an klar, wer er ist, aber dann dachte ich, dass die Geschichte eben wie das wahre Leben ist. Kein Hollywoodfilm. Und so kann ich mit dem Ende gut leben. 

Der Schreibstil ist wirklich angenehm. Leicht und amüsant, aber an den richtigen Stellen ernst. Der Plot ist nicht unbedingt neu, doch sehr überzeugend und liebevoll umgesetzt. 

Ich wurde gefragt, ob eine Frau überhaupt über die Liebe aus "Jungssicht" schreiben kann oder ob es nur inszeniert wirkt. Darauf kann ich nur antworten, dass die Geschichte für mich stimmig war. Simon und Blue schreiben sich süße und brave Sachen und das glaube ich. Ob sich das nun eine Frau ausgedacht hat oder nicht. 

Im Gegenteil. Ich finde der Autorin ist mit dem Buch ein echter Geniestreich gelungen. Denn sie lässt durch Simon soviel aussagen und Fragen aufwerfen und regt damit zum Nachdenken an. Das soll man erstmal nachmachen. 

Sehr beeindruckend fand ich die Szene zwischen Martin und Simon auf dem Parkplatz, wo Simon dem anderen Jungen seine Meinung sagt. Die Wortwahl war wirklich ergreifend und ist für mich die Schlüsselszene des Buches. 

Wer also eine Feel-Good-Story lesen möchte, der sollte das Buch unbedingt lesen. Ich kann es weiterempfehlen.
 

Fazit:

Ich hatte beim Lesen zwar kein "Dauergrinsen" (-wie der Klappentext verspricht-), aber ich habe die Charaktere lieb gewonnen. Es ist ein Buch über Freundschaft, die erste Liebe und das Erwachsenwerden. Mir hat es gut gefallen, auch wenn die Auflösung um Blue vielleicht insgesamt etwas kniffliger hätte sein können. "Schwul sein" ist "Keine große Sache". Das zeigt der Roman indem er das Thema kaum thematisiert und die erste Liebe mit ihren Ängsten und Gefühlsachterbahnen in den Vordergrund stellt. Ich kann das Buch wirklich weiterempfehlen. Von mir gibt es alle fünf Sterne.

Autorin:

19547856Becky Albertalli hat als Psychologin schon mit vielen schlauen, schrägen, wunderbaren Teenagern gearbeitet. Sieben Jahre lang leitete sie außerdem eine Gruppe für Kinder mit abweichender Gender-Identität. Heute lebt sie mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Atlanta. »Nur drei Worte« ist ihr erster Roman. (Quelle: Verlag)

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