Dienstag, 24. Mai 2016

Rezension: Fuck you Leben von Non Pratt

Titel: Fuck you Leben!
Autorin: Non Pratt
Originaltitel: Trouble
Seitenanzahl: 420 Seiten
Genre: Jugendbuch ab 14
Reihe: Nein
Preis: 14,95 EUR
Verlag: dtv
Erschienen am 01.12.2014
www.dtv-dasjungebuch.de 

Klappentext:

Hannah ist 15. Sie mag Jungen, sie mag Sex – und sie ist schwanger. Sie weiß zwar, von wem, aber das kann sie auf gar keinen Fall sagen.
Aaron ist 16. Er ist neu auf Hannahs Schule, weil an seiner alten Schule etwas Schlimmes passiert ist. Und Aaron gibt sich die Schuld daran. Seit dem hat er das Gefühl, etwas wiedergutmachen zu müssen. Und so stellt er sich vor Hannah, als eine fiese Facebook-Seite mit dem Titel ›Wer ist der Vater?‹ online geht. Mehr noch, er gibt sich offiziell als Vater des Babys aus, mit aller damit verbundenen Verantwortung. Doch kann so eine ›rein platonische‹ Vaterschaft gut gehen?

Meine Meinung:

Was für ein deutscher Titel! Defintiv ein Blickfang. Im Nachhinein passt das Original "Trouble" in meinen Augen aber besser. Trotzdem hat das Buch so meine Aufmerksamkeit erregt.

Ohne große Einleitung begleiten wir abwechselnd die 15-jährige Hannah und den 16-jährigen Aaron. Durch unterschiedliche Schriftarten wird sofort klar, wer gerade erzählt. Die Erzählperspektiven wechseln sich sehr schnell ab, was mir aber gut gefallen hat. Gemeinsam erlebte Szenen werden unterschiedlich geschildert. Das war interessant und glaubwürdig, denn jeder Mensch sieht die gleiche Sache eben anders.

Hannah wird zuerst als "leichtes" Mädchen dargestellt. Sie macht ihre ersten sexuellen Erfahrungen und trifft sich gerne mit ihrer Clique im Park. Sie hat nur Jungs und Partys im Kopf. Als Hannah ungewollt schwanger wird, ändert sie  ihre Sichtweise und beginnt viele Dinge glaubwürdig zu hinterfragen. Trotz mehrerer potenzieller Kandidaten weiß Hannah sofort von wem das Kind ist, möchte es aber nicht sagen. Als Leser weiß man es auch und kann verstehen, warum Hannah darüber schweigt.
Der Vater zieht sich komplett aus der Verantwortung und das ist der Zündstoff für wilde Spekulationen an Hannahs Schule. Im Internet wird eine richtige Hetzjagd gegen das Mädchen gestartet. Ihr ganzes Leben gerät gehörig durcheinander.
Ich konnte Hannah oft nicht verstehen. Sie sich selbst aber wohl auch nicht. Verständlich, wenn man gerade mal fünfzehn ist und in solch eine Situation gerät. Trotzdem wird Hannah mit jeder Seite stärker und das hat mir imponiert.

Aaron wirkt wie ein Junge aus einer anderen Welt. Er ist deutlich erwachsener als die anderen Kids an der reichen Privatschule. Als Leser weiß man, dass es an diesem Geheimnis liegen muss, dass man erst später erfährt. Vorher kommt er fast wie ein Heiliger rüber. Trinkt nicht, nutzt keine Mädchen aus und "durchschaut" sofort die Machenschaften in der Clique. Als man die Lösung dann weiß, wird vieles klarer. Durch seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn stellt er sich sofort hinter Hannah und steht ihr bei.
Wer jetzt eine außergewöhnliche Liebesgeschichte vermutet, liegt jedoch falsch. Auch wenn der Klappentext so etwas andeutet, geht es doch um ganz andere Dinge. 


 
Die Geschichte spielt in England und hätte im prüden Amerika wohl nicht funktioniert. Doch so finde ich es ziemlich authentisch erzählt. 
Sicher ist die Phase des Ausprobierens nicht bei allen Jugendlichen so ausgeprägt, doch hier definieren sich die Kids eben über ihre Bettgeschichten und trinken gerne Alkohol. Das ist nicht übertrieben. Es gibt junge Leute, die so ticken. Natürlich sollte man irgendwann merken, dass Alkohol und wilde Bettgeschichten nur bedingt lustig sind.
Die Autorin erzählt schonungslos und ohne Tabus. Es ist definitiv keine Heile-Welt-Blümchen-Liebesgeschichte und wird sicher auch nicht jedem gefallen. Man muss sich auf das Thema und die Protagonisten einlassen können.

Mir hat das Buch wirklich richtig gut gefallen. Ich war total an die Seiten gefesselt und konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Zwar plätschert die Geschichte auch zeitweise dahin, aber es passte immer zusammen. Ich mochte den Schreibstil, denn die Autorin schafft es mit wenigen Worten auf den Punkt zu kommen. Gleichzeitig ist es abwechselnd tragisch und dann wieder komisch erzählt. Ein Wechselbad der Gefühle. Sie hängt sich nie lange an einer Szene auf, was ein sehr angenehmes Lesetempo erzeugt.
Die Entwicklung von Hannah und Aaron war wirklich toll. Beide Charaktere werden ziemlich tiefgründig ausgeleuchtet.
Die Personen machen Fehler und wirken dadurch menschlich. Es gibt daher auch nicht zu allen Dingen eine Lösung. Denn manchmal gibt es eben keine. Dabei gibt es auch keinen moralischen Zeigefinger.
Interessant ist, wie die Autorin die ganzen Nebenfiguren in die Haupthandlung einbindet. Da wird aus Freundschaft plötzlich Feindschaft. Was aussieht wie ein One-Night-Stand ist doch noch viel mehr. Der ätzende Stiefvater wird plötzlich zur Stütze. Ein alter Mann zum besten Freund. Echt toll.

Ich fande es nur schade, dass die Probleme rund um die Schwangerschaft etwas vernachlässigt wurden. Es ist keine Kleinigkeit ein Kind zu bekommen, aber Hannah macht sich darüber irgendwie gar keine Gedanken. Sie hat schließlich kein Geld und keine Ausbildung und der Vater steht nicht zu dem Kind, doch sie freut sich einfach nur auf das Baby und der Rest wird gar nicht thematisiert. Im Nebensatz wird schonmal erwähnt, dass sie ja jetzt weniger Party machen kann, aber das wäre schon ok. Das alles zeigt mir, wie unreif sie doch eigentlich noch ist und die Tragweite ihrer Entscheidung gar nicht abschätzen kann.
Die Autorin legt den Schwerpunkt allerdings weniger auf die Teenagerschwangerschaft, sondern auf die Freundschaften rund um Hannah und das Baby. 
Hannah gerät in die Schusslinie ihrer ehemals besten Freundin und wird von ihr ziemlich drangsaliert. Sie stellt erschreckt fest, wie schnell ihre "Freunde" sie plötzlich fallenlassen und muss herausfinden, wer ihre "echten" Freunde sind.

Schade fande ich auch, dass es gar keine echte Liebesgeschichte zwischen Aaron und Hannah gab. Sie meistern die Situation eher als "beste" Freunde. Das hätte ich mir einfach anders gewünscht. Allerdings ist das Ende eher offen und so kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen.



Fazit:

In diesem Buch geht es vordergründig um das Thema Freundschaft. Hannah merkt in einer Ausnahmesituation, wer ihre wirklichen Freunde sind. Die Teenagerschwangerschaft wird leider etwas zu verharmlost und teilweise schön geredet. Auf Probleme wird nicht näher eingegangen. Trotzdem hat mir die Geschichte echt gut gefallen. Sie ist außergewöhnlich und etwas ganz anderes. Definitiv weiterzuempfehlen.

Autorin:

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N. Pratt hat nach ihrem Studium zunächst als Sachbuch-Lektorin gearbeitet, bevor sie zum Kinder- und Jugendbuch wechselte. Von 2009 an hat sie das Programm von Catnip Publishing geleitet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem kleinen Kind in London. (Quelle: Amazon)

Kommentare:

  1. Huhu Liebes,

    das ist eine total schöne Rezi. Das Buch klingt wirklich sehr gut.
    Das Kinder bekommen kein Zucker schlecken ist erfahre ich gerade am eigenen Leib. :D Bei mir haben die Schwangerschaftsbeschwerden so richtig zugeschlagen. :D Ich bin so froh, dass ich jetzt im zweiten Trimester bin und es so langsam besser wird. :)

    Liebste Grüße
    Sonja

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    1. Hallo

      und vielen Dank für das Kompliment.
      Ich wünsche Dir noch eine ganz tolle Schwangerschaft ohne Komplikantionen. Das Leben mit Kindern verändert wirklich alles, aber es ist auch schön und lustig und anstrengend... :-) Ich möchte es nicht mehr anders haben. Aber trotzdem sollte man es nicht so leicht auf die Schultern nehmen wie Hannah im Buch.
      Liebe Grüße
      Andrea

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