Montag, 4. Dezember 2017

Rezension: Der Soundtrack meines Lebens von Jessi Kirby

Titel: Der Soundtrack meines Lebens
Autorin: Jessi Kirby
Originaltitel: In Honor
Seitenanzahl: 288 Seiten
Genre: Roadtrip
Reihe: Nein
Preis: 7,99 EUR
ISBN: 978-3-551-31437-6
Verlag: Carlsen
Erschienen am 29.04.2016
www.carlsen.de 

Klappentext:

Eigentlich sollte die Zeit zwischen Highschool und Uni für Honor die glücklichste ihres Lebens werden. Doch dann kommt ihr Bruder Finn im Irak um und für sie bricht eine Welt zusammen. Alles, was Honor von ihm bleibt, ist sein Auto und ein Brief mit zwei Tickets für das Abschiedskonzert ihrer Lieblingssängerin. Also macht sie sich gemeinsam mit Finns bestem Freund Rusty auf den Weg nach Kalifornien. Auf ihrem Roadtrip lernen die beiden mit ihrer Trauer umzugehen. Und je weiter sie von zu Hause weg sind, desto mehr finden sie zueinander …

Meine Meinung:

Vor einer Weile habe ich von der Autorin Mein Herz wird dich finden gelesen und war davon total begeistert. Daher wollte ich gern auch ihre anderen Bücher kennenlernen.

In dieser Geschichte geht es um den Verlust eines geliebten Menschen und was danach kommt.  
Der Einstieg gelingt leicht, auch wenn es zu Beginn sehr traurig ist. Wir begleiten die 17-jährige Honor auf die Beerdigung ihres großen Bruders. Ohne Finn fühlt sie sich plötzlich leer und ohne Ziel. 
Jessi Kirby schafft es sofort mich in die jeweilige Stimmung zu versetzen. Zum Glück hält sie sich nicht lange mit traurigen Passagen auf. 
Nachdem Honor einen Brief von Finn gelesen hat, in dem er ihr quasi seinen letzten Wunsch mitteilt, macht sie sich auf den weiten Weg nach Kalifornien, um ihn Finn zu erfüllen. Durch Zufall wird Finns ehemaliger bester Freund Rusty ihr Reisebegleiter. 

Durch den Song Carry On Wayward Son und den 67er Chevy Impala kam schon ein bisschen Supernatural Feeling auf und so erinnerte mich Rusty öfter an Dean Winchester. Schweigsam, verkatert und mit einem großen Faible für Blondinen und den Chevy.

Die ersten Stunden auf dem Roadtrip verliefen schweigend. Es war schön, wieviel Zeit sich die Autorin für die Entwicklung der Reise lässt.
Wir fuhren mit herunter gekurbelten Fenstern und aufgedrehtem Radio, jeder einen Arm auf den Türrahmen gestützt. Heißer Wind brauste durchs Wageninnere und wehte mein offenes Haar wild umher; so den Highway entlangzufahren, war ein Gefühl der Freiheit. (Auszug Seite 190)
 
In diesem Buch ist der Weg das Ziel. Alle Stationen des Roadtrips sind interessant und gut ausgewählt. Honor und Rusty erleben außergewöhnliche Momente und treffen auf ihrer Reise auf besondere Menschen, wobei Honor auch spirituelle Wege einschlägt.
 
Der Schreibstil ist angenehm und atmosphärisch. Besonders gelungen sind die Landschaftsbeschreibungen und das Gefühl selbst Teil dieser Reise zu sein. Man konnte die Hitze von New Mexiko beim Lesen förmlich spüren.
 
Honor erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive und wirkte auf mich durchgängig etwas verloren. Sie wollte nach Finns Tod einfach nur irgendwie weitermachen. Das schien besser als nichts zu tun. Doch einen richtigen Plan hatte sie nicht. Bisher hatte immer Finn alle wichtigen Entscheidungen für sie getroffen und sich um alles gekümmert. Plötzlich war Honor allein. Das wäre die perfekte Möglichkeit einer Entwicklung gewesen, aber leider passiert bis zum Ende gar nichts, um dann in einer 180 Grad Wendung zu enden. Eine kontinuierliche Entwicklung hätte mich mehr überzeugt. Honor war mir schon sympathisch, doch von einer Hauptfigur habe ich einfach etwas mehr erwartet. 
 
Aus Rusty wird man nicht so richtig schlau. Zwar blitzt immer mal wieder seine verletzliche Seite durch, so dass man erahnen kann, wie er ebenfalls unter Finns Tod leidet. Doch unterm Strich wirkt er unnahbar und rätselhaft
 
Der Schlagabtausch zwischen Rusty und Honor war unterhaltsam. Allerdings haben mich die vielen ungesagten Dinge zwischen den beiden auch oft fertig gemacht. Es herrschte so oft eine beklemmende Stimmung im Auto, dass ich manchmal gerne ausgestiegen wäre. Doch gerade diese Gefühlsachterbahn hat mich auch bei Laune gehalten.
 
 
Das Buch ist wirklich schön und ich habe es gerne gelesen. Doch es fehlte bis zum Schluss der letzte Kniff, der mich vollends überzeugt. Es ist eine interessante Reise, die anders verläuft, als man denkt. Auch die Beziehung zwischen Rusty und Honor ist alles andere als klischeehaft. Aber dadurch bleibt die Liebesgeschichte auch sehr blass und ein wenig enttäuschend. Ich hätte mir definitiv mehr prickelnde Momente gewünscht und nicht nur den Anblick schwitziger Boxershorts.  
 
Unterm Strich bleibt das Buch etwas zu Gefühlsdistanziert. Wenn man die tragische Geschichte um Finn bedenkt, dann hätten Tränen fließen müssen, danach hätte man Hoffnung fühlen können oder neuen Mut. Aber so richtig kommt das alles nicht vor und so dümpelt man eher seicht dahin. Was nicht schlimm ist. Am Ende bekommt man einige Aha-Erlebnisse und kann damit gut abschließen. Es ist eine tolle Geschichte, die aber noch besser hätte sein können.  
 

Fazit:

Ein schöner Roadtrip mit atmosphärischer Landschaft und einer Menge Balast an Bord. Zwei Personen auf einer Suche nach neuen Wegen und einem Warum. Die Reise ist gelungen, leider blieb mir die Liebesgeschichte und die Entwicklung der Hauptperson etwas zu blass. Es bleibt eine tolle Geschichte, die noch besser hätte sein können. So bleibt es bei vier unterhaltsamen Sternen. 
 

Weitere Bücher:

 

Autorin:

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Jessi Kirby war früher Englischlehrerin und Bibliothekarin. Sie ist heute Autorin mehrerer Bücher, Ehefrau, Mutter, Strandliebhaberin und Läuferin. Sie liebt zeitgenössische Jugendliteratur, starken Kaffee und dunkle Schokolade. Und zwar in genau dieser Reihenfolge. (Quelle: Verlag)

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