Freitag, 13. November 2015

Rezension: Ameisen küssen nicht von Kerstin Engel

Titel: Ameisen küssen nicht
Autorin: Kerstin Engel
Seitenanzahl: 320 Seiten
Genre: Roman
Reihe: Nein
Preis: 9,99 EUR
Verlag: rororo
Erschienen am 24.10.2014
www.rororo.de 

Klappentext:

«Liebe ist nichts als eine biochemisch produzierte Illusion!»
Isa lebt nur für die Wissenschaft. Gefühlen misstraut die Biologin (Fachgebiet: Ameisen) zutiefst. Primatenforscher Dr. Ben Breitenbach dagegen pflegt sein Image als verwegener Abenteurer und Frauenheld. Als beide für einen wichtigen Forschungspreis nominiert werden, ist der Konkurrenzkampf vorprogrammiert. Auf dem Schiff zur Preisverleihung in Norwegen treffen die Kontrahenten aufeinander. Während Ben sofort erkennt, wer ihm da gegenübersteht, ist Isa völlig ahnungslos. Daraus muss sich doch ein Vorteil ziehen lassen! Ben schmiedet einen Plan: die harte Schale der Frau Professorin knacken, um bei der Preisverleihung an ihr vorbeizuziehen. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass er Gefühle entwickeln könnte – und das ausgerechnet für die «Ameisenkönigin».


Meine Meinung:

Nach den ersten Seiten war ich etwas skeptisch, ob mir das Buch wirklich gefallen könnte, doch dann konnte ich mich doch noch ganz gut auf die Geschichte von Ben und Isa einlassen. Man sollte nur nicht alles genau hinterfragen.

Abwechselnd erfährt man etwas über die Biologieprofessorin Isa und den Primatenforscher Ben. Da es nicht aus der Ich-Perspektive geschildert wird, hatte ich ein paar Schwierigkeiten mich in die Personen hinein zu versetzen. Man erfährt wenig über das wirkliche Gefühlsleben der beiden Protagonisten und wird dadurch oft durch ihre Handlungen überrascht. Doch das ist bei dieser Geschichte gerade das Spannende. Man weiß einfach nie was als nächstes passiert.

Isa und Ben stehen in einem harten Konkurrenzkampf um den begehrten Future Award. Auf dem Schiff nach Norwegen lernen sie sich zum ersten Mal kennen. Isa weiß vom ersten Moment, dass sie Ben nicht leiden kann, ohne zu wissen, wer er wirklich ist. 
Ben dagegen, möchte einen Vorteil aus der Reise ziehen und tut alles um Isa in seiner Nähe zu sehen, damit er sie richtig einschätzen lernen kann. Auf ihrem gemeinsamen Weg zum Veranstaltungsort müssen sie einige Hürden nehmen.
Auch wenn mich der kurze Roadtrip durch Norwegen irgendwie an den Film "Verlobung auf Umwegen" erinnert hat, war es doch ganz unterhaltsam. Wie gesagt, man darf nicht alles so ernst nehmen.

Die Geschichte legt ein gutes Tempo vor und ist gleichermaßen witzig wie tragisch. Es gibt viele Stellen zum mitschämen. Das hat mir gut gefallen.
Obwohl Ben wirklich ein richtiger Schürzenjäger ist und durch die Betten turnt, konnte ich ihm nicht wirklich böse sein. Aus seiner Sicht ist es sogar irgendwie nachvollziehbar.
Isa wirkte zu Beginn sehr steif und unmenschlich, da sie mit Gefühlen nicht wirklich etwas anfangen kann. Zum Glück hat die Autorin mit ihr gut die Kurve bekommen und sie durch ihr kleines "Feuerproblem" sympathisch gemacht. Im Laufe der Geschichte taut sie auf und konnte mich auf ihre Seite ziehen. Allerdings waren auch hier die Charakterentwicklungen sehr schnell (über Nacht) und wirkten dadurch etwas unrealistisch. Besonders bei Isa war die plötzliche Leidenschaft für Ben etwas merkwürdig, da sie doch vorher aufgrund der fehlenden Empathie gar nicht zu wirklichen Gefühlen fähig war. Wenn man jedoch über diese kleinen Logikfehler hinweg sehen kann, dann geht es richtig gut weiter.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt. Mitten an der spannendsten Stelle gab es plötzlich diesen Break, der mich überrumpelt hat, weil es auf den ersten Blick keinen Sinn gemacht hat. Doch nach und nach konnte ich mich mit diesem Weg abfinden. Vielleicht hätte man das eleganter lösen können, aber die Autorin hat sich für diesen Weg entschieden.
Lange bleibt offen wie die Geschichte zu Ende geht. Durch die vielen Wendungen und Isas Verhalten wäre jeder Abschluss möglich gewesen. Somit blieb die Spannung bis zum Schluss.

Mit Meyer als Isas beste Freundin hat die Autorin eine sympathische Nebenfigur geschaffen. Alle anderen Personen blieben dagegen sehr blass und gerade im letzten Drittel wirkte vieles überladen und gehetzt (z.B. die Sache mit Marie).

Richtig gut gefallen haben mir die Streitgespräche zwischen Isa und Ben, wenn sie sich die wissenschaftlichen Theorien um die Ohren gehauen haben. Auch ohne spezielle Kenntnisse kann man den Gesprächen folgen. Das ist genau dass, was dieses Buch so unterhaltsam gemacht hat. Schade, dass die Autorin davon am Ende absehen hat und diesen merkwürdigen Weg eingeschlagen hat. Doch das bleibt wahrscheinlich Ansichtssache.
 

Fazit:

Trotz einiger Logikfehler und Charakterschwächen konnte mich das Buch um Isa und Ben ganz gut unterhalten. Es ist kein typischer Liebesroman, sondern geht den eher komisch-tragischen Weg, der einen "fremdschämen" lässt. Man sollte nicht alles genau hinterfragen, sondern sich von den tollen Streitgesprächen der Charaktere unterhalten und überraschen lassen. Von mir gibt es vier knappe Sterne. Definitiv ein interessanter Ansatz für einen Liebesroman.


Autorin:

Kerstin Engel, geboren 1965, studierte Germanistik und arbeitete als Regie- und Dramaturgieassistentin am Theater. Später verschlug es sie zum Fernsehen. Heute lebt sie als freie Autorin in Groß-Gerau.
 

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