Dienstag, 29. September 2015

Rezension: Damals dieser Kuss von Claire LaZebnik

Titel: Damals dieser Kuss
Autorin: Claire LaZebnik
Originaltitel: The Last Best Kiss
Seitenanzahl: 384 Seiten
Genre: Jugendroman
Reihe: Nein
Preis: 8,99 EUR
Verlag: cbj
Erschienen am 11.05.2015
www.cbj-verlag.de 

Klappentext:

Heute weiß Anna, dass der Kuss damals in der Neunten eine letzte Chance war – bevor Finn sich aus dem Staub machte, der schlaksige, zu kurz geratene (und unglaublich nette) Junge, in den sie sich heimlich, still und leise verknallt hatte … sehr heimlich sogar, denn nie im Leben hätte Anna vor ihren Freundinnen zugegeben, dass sie mit einem Nerd geht. Doch nun, vier Jahre später, ist Finn plötzlich zurück in L.A.! Der unbeholfene Streber von einst hat sich zum attraktiven Mädchenschwarm gemausert und macht klar, dass er nichts mehr mit ihr zu tun haben will. Anna versucht, sich einzureden, dass Finn ihr egal ist – ganz im Gegensatz zu ihren BFFs, die plötzlich Feuer und Flamme sind …


Meine Meinung:

Die Geschichte startet mit einem Rückblick in die neunte Klasse. Es gibt einen schnellen Abriss über das, was damals zwischen Anna und Finn vorgefallen ist. So muss der Leser nicht kleinlich rekonstruieren, sondern weiß von Anfang an Bescheid.

Anna hat Finn damals abblitzen lassen, weil sie nicht den Mut hatte zu ihren Gefühlen vor ihren Freundinnen zu stehen. Sie war eine typische Mitläuferin und hat sich ihrer Clique untergeordnet. Als Leser möchte man sie dafür hassen, dass sie so feige war, aber ihr tut ihr Verhalten von Anfang an Leid, so dass man Anna mit der Zeit etwas verzeihen kann.
Anna erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht, aber trotzdem konnte ich keinen richtigen Zugang zu ihr finden. Ihre Gedanken und Entscheidungen blieben mir fremd und sie wirkte bis zum Ende sehr distanziert. Insgesamt blieb sie für eine Hauptfigur einfach zu passiv. Sie hat immer nur zugesehen und alles geschehen lassen. Ich hätte mir mehr Kampfgeist und Durchsetzungsvermögen gewünscht. Eben etwas was sie von den anderen Figuren abhebt. Zwar bekommt sie am Ende ihre Sternstunde und hat "zwei Sekunden" Ruhm, doch dass konnte es dann auch nicht mehr raushauen.

Finn mochte ich dagegen wirklich gern. Er taucht nach vier Jahren wieder auf. Er sieht zwar besser aus, ist aber immer noch der freundliche "NERD" von damals geblieben. Das hat mir gut gefallen. Wäre er jetzt ein super oberflächlicher Frauenaufreißer geworden, hätte es nicht zur Geschichte gepasst. 
Anna kann nicht glauben, dass plötzlich ihre ganzen Freundinnen auf ihn stehen. Es zeigt aber, dass die ganze Clique insgesamt reifer geworden ist. 
Finn freundet sich mit Annas Freundin Lily an und zeigt ihr die kalte Schulter. Sie versuchte ihm ihre Gefühle von damals zu schildern und ihn um Verzeihung zu bitten, aber Finn geht die ganze Zeit gar nicht darauf ein.
Das ist mein Hauptkritikpunkt. Denn die Geschichte zwischen Anna und Finn spielt sich eigentlich nur im Hintergrund ab. Es gibt für meinen Geschmack viel zu wenig tolle Momente zwischen den Beiden. Dafür hat sich Lily viel zu sehr in den Vordergrund gespielt. Sie war im Gegensatz zu Anna ein sehr lebhafter Charakter. Obwohl es nicht immer positiv ist, bringt es viel Spannung und Pfeffer in die Story.

Im Vordergrund steht die Clique und ihre Unternehmungen, sowie die Vorbereitungen auf das zukünftige Collage. Es wird deutlich unter welchen Stress die Schüler stehen, wenn sie sich für ihre Zukunft entscheiden müssen. Da wird auch mal getrickst und geschleimt, um an gute Connections für ein Collage zu kommen. Unterm Strich geht es in der Clique aber sehr freundschaftlich zu. Es gibt keine Intrigen oder Hinterhältigkeiten. Alle sind nett und freundlich zueinander und fragen sich sogar vorher, ob es ok ist, wenn man zukünftig den EX der Freundin daten möchte.
Nebenbei werden noch ein paar Klischees angedeutet, wie Homosexualität oder Rivalität zwischen Geschwistern.

Zum Ende schlägt die Autorin sehr ernste Töne an und zeigt was übertriebener Alkoholgenuss und wilde Partys anrichten können. Das versöhnt etwas mit den vorherigen Joints und ihrer Verharmlosung.
Sie schafft damit eine elegante Wendung in der Geschichte ohne das jemand wirklich als fies und gemein dargestellt werden muss.

Ohne Vorwarnung geraten Finn und Anna plötzlich wieder in den Vordergrund der Story. Das wirkte dann aber sehr gewollt. So als müsste es eben so sein, weil der Klappentext es fordert. Die anderen 300 Seiten liegt der Fokus woanders. 
Es werden Probleme zwischen Anna und ihrem Vater angedeutet, aber leider nur oberflächlich abgehandelt. Genauso wie die lesbische Geschichte ihrer Schwester. 
Die ganzen Nebensächlichkeiten kamen mir oft wie Lückenfüller vor. Immer in der Hoffnung, dass Anna oder Finn jetzt endlich mal stärker in Aktion treten.
In meinen Augen hat die Autorin sehr Potenzial der Story verschenkt. Es waren so viele interessante Ansätze vorhanden, mit denen man fünf andere tolle Bücher schreiben könnte. Doch die Probleme werden nur kurz angedeutet und dann wieder verworfen (z.B. Annas Vater und seine Freundinnen oder Wade und seine Motive, Molly und Freundin + Familie etc.). Alles wird nur irgendwie abgehandelt und fällt etwas fade unter den Tisch.
Ich denke, wenn ich vorher gewusst hätte, dass der Fokus des Buches anders ist, hätte mich die Geschichte mehr begeistern können. 

Auch an den Schreibstil musste ich mich sehr gewöhnen. Die Geschichte wird in vielen Halbsätzen erzählt. Das sollte wahrscheinlich jugendlich wirken (oder liegt an der Übersetzung?), kam mir allerdings sehr abgehackt vor. 



Fazit:

Eine bekannte Grundstory wird hier einmal anders erzählt. Die Charaktere sind originell, bleiben aber hinter meinen Erwartungen zurück. Es gibt viele interessante Ansätze. Leider steht die Liebesgeschichte zwischen Finn und Anna einfach zu sehr im Hintergrund. In der Schule würde man wohl sagen: "Leider am Thema vorbei geschrieben". Hätte ich das vielleicht vorher gewusst, hätte mich das Buch etwas mehr begeistern können. So vergebe ich gute drei Sterne. Es bleibt eine schöne Geschichte über Freundschaft und erste Beziehungen.

Autorin:

Claire LaZebnik lebt mit ihrem Mann, einem Drehbuchautor, und ihren vier Kindern in Los Angeles. Sie hat bereits mehrere erfolgreiche Bücher in der Belletristik veröffentlicht und schreibt nun auch Bücher für Jugendliche.

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